Die 1950er

Vereinsgründung und erste Erfolge

Am 1. September 1950 wurde die Sparte Hockey in Osternienburg gegründet und schloss sich an diesem Tag der zur gleichen Zeit ins Leben gerufenen Betriebssportgemeinschaft Chemie Osternienburg an.

Osternienburg, ein Ort in der Nähe von Köthen/Anhalt, zählte zu dieser Zeit etwa 3000 Einwohner und verfügte über Betriebe der Chemischen Industrie und Landwirtschaft.

Osternienburg, ca. 1950

Der 18-jährige Ernst Messinger, der während seiner Schul-und Lehrzeit das Hockeyspiel in Köthen erlernte, scharte nach der im April abgeschlossenen Lehrausbildung und der Rückkehr in seinen Heimatort Osternienburg Freunde und Jugendliche in seinem Alter um sich und bildete mit ihnen eine Hockeymannschaft. Bis August waren es bereits 10 Akteure. So konnten sie noch vor der Aufnahme in die BSG, am 23.8. in Köthen und am 27.8. 1950 in Osternienburg zwei Testspiele gegen Köthener Mannschaften bestreiten.

Die Aufstellung war wie folgt: Willi Stallbaum, Helmut Titsch, Gerhard Übler, Gerhard Wyrzykalla, Günther Stiller, Klaus Denkewitz, Werner Rothe, Ernst Messinger, Erwin Hoppe, Heinz Becker, Schiri war der Osternienburger Helmut Hammer. Über den Ausgang des Spiels ist heute nichts Näheres mehr bekannt, aber er muss zumindest ermuntert haben der BSG Chemie beizutreten. Das Interesse, der vormals nur als „Wilde Haufen“ bekannten Truppe, hat von nun an auch die Damen erreicht und in Kürze bildete sich auch da eine Mannschaft. Auch bei den Schülern war reger Zulauf. Das Verhältnis zu den ebenfalls der BSG Chemie angehörigen Fußballern war aber von Anfang an gespannt, so dass bereits die Damen und Schüler im November 1951 zur BSG Traktor Osternienburg übertraten. Ernst Messinger war jetzt Organisator, Spieler, Sektionsvorsitzender, Schiedsrichter sowie Trainer bei Chemie und Traktor Osternienburg. Die Leitung der Damen- und die Verantwortung für die Kindermannschaft übernahm Ruth Keil (Mann)

Mit zwei vom Landes-Sportausschuss Sachsen-Anhalt gespendeten Hockeybällen begann 1950 im kleinen Ort Osternienburg eine beeindruckende Hockey-Geschichte.

Staatliche Anerkennung der Vereinsgründung

1950, ein Jahr nach der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik, fanden die ersten DDR-Meisterschaften im Feldhockey statt. Im Jahr davor wurde bereits der Ostzonen-Meister ermittelt.

Vereinsemblem „Chemie Osternienburg“
zur Gründung 1950
Vereinsemblem „BSG Traktor Osternienburg“
Damen und Nachwuchs ab 1951
Herren ab 1955

1951, in dem Jahr, in dem in der DDR weltweit das erste Hallenhockeyspiel stattfand und Österreich und die DDR als erste Länder der Welt eine Hallenhockey-Meisterschaft austrugen (die BRD folgte erst 11 Jahre später), nahm auch Osternienburg erstmals mit vier Mannschaften am geregelten Punktspielbetrieb teil.

„Traktor Osternienburg“ Damen 1951/52
(v.l.n.r.) Ruth Urban, Annemarie Hohndorf, Margot Gernegroß, Helga Pollok, Helga Hammer, Erna Oys, Gerlinde Müller, Ruth Keil, Irmgard Klaus, Inge Stärker, Gerda Dübner
„Chemie Osternienburg“ Herren, 1951/52
(v.l.n.r.): Helmut Hammer, Ernst Messinger, Gerhard Wyrzykalla, Helmut Titsch, Willi Herrmann, Werner Roth, Ferdinand Salm, Erich Stiller, Fritz Mann, Klaus Denkewitz, Franz Hammer, Erwin Hoppe

1953, am 1.Mai, konnte nach einjähriger Bauzeit ein eigener Hockeyplatz eingeweiht werden. Bisher war man auf Mitbenutzung des Fußballplatzes angewiesen. Die Einweihungsspiele wurden gegen die Damen-und Herrenmannschaften von ASW Leipzig (heute SC Leipzig) bestritten.

Eröffnung des Hockeyplatzes 1953: Damen von Aufbau-Südwest Leipzig und BSG Traktor Osternienburg

Eine Sporthalle stand bis Ende der 70er Jahre ebenfalls noch nicht zur Verfügung. Zum Trainieren genügte bis dahin ein kleiner mit Parkett belegter Saal einer Gaststätte, in dem man die Tore einfach an die Wand malte.

1955 wechselte die Männermannschaft als letzte Mannschaft ebenfalls von der BSG Chemie zur BSG Traktor.

1956, am 23. März, nur sechs Jahre nach der Gründung der Hockeysparte in Osternienburg geschah die Sensation. Völlig überraschend gewann die von Ernst Messinger trainierte männliche Jugendmannschaft von Traktor Osternienburg die DDR-Meisterschaft im Hallenhockey und bestätigte diesen Erfolg ein Jahr später mit der Vizemeisterschaft.

DDR Meister 1956 „Traktor Osternienburg“ 
(v.l.n.r.) HINTEN: Peter Feistel, Helmut Reinert, Klaus Denkewitz, Siegfried Mendyk, Trainer Ernst Messinger, Werner Grube, Dieter Schiedewitz
VORN: Siegfried Salm, Dieter Pfohl, Dieter Heuber

Dieser Erfolg sprach sich bis ins Polnische Nachbarland herum und so kam eine Freundschaft mit dem Polnischen Verein LKS Rogowo zustande, die jährlich zum sportlichen Austausch führte und Jahrzehnte hielt.

Hockeyspieler von Traktor Osternienburg und LKS Rogowo in der Volksrepublik Polen